Elterngedanken


Eine für mich wiederkehrende Frage ist: wie werden Eltern? Wie bin ich es geworden? Wie bekomme ich einen Blick für Zusammenhänge im alltäglichen Umgang mit meinem Kind.


Zu theoretisch?


Versteh ich… ich grübel darüber seit 16,5 Jahren nach und das fast täglich.

Als unsere Tochter 1 Jahr alt war, bekam ich einen Satz mit von einer Frau, die ich als reflektierte Mutter empfand. Ihr somit zugestand mir den einen oder anderen Satz zu sagen. Nee, falsch ich habe danach gelechzt etwas für hören von ihren Gedanken, zusammenhängen und familienalltag.


Sie sagte mir „ Gewöhn ihr nicht an, sie beim Nörgeln zu belohnen. Warum muss sie essen, wenn keine Essenszeit ist? Warum nimmst du sie auf den Arm, wenn sie dabei lernt, dass es belohnt wird unwirsch und motzig ihren Unmut kund zu tun…?“ Es gab noch Hinweise auf Fördern von latentem Suchtverhalten, wenn Kinder nicht üben zu warten …

Mit 1Jahr… mein Baby? Nicht die geliebten Reiswaffeln in die Hand drücken, wenn es zu unruhig wird beim Arzt?

Ich kenne von mir die Reaktion nicht, dass ein Hinweis von aussen als Angriff gewertet wird, oder ich ärgerlich werde, wenn jemand etwas zu meinem Kind sagt oder eingreift, wenn es eine handfeste Auseinandersetzung gibt. 
Deshalb nicht, weil ich es sehr gut hatte in der (Klein) Kindphase: ich hatte Freundinnen, die fast alle ihre Kinder sehr ähnlich erzogen haben. Es war nie IMMER das gleiche Kind „schuld“ oder falsch… es wurde bei Streit mit beiden Beteiligten geredet. Reaktionen wie das Auslachen des Anderen, Süßes essen ohne Teilen, Schubsen oder Ausgrenzen wurde von uns Müttern und Vätern recht ähnlich gehandhabt: Gutes Benehmen geht vor.

Sogar bei Lehrern versuche ich meinen verteidigenden Löwenmut zu drosseln, denn sie sind die Fachleute. Auch wenn mir die Fachlichkeit nicht immer ersichtlich ist- ich übe mich im Respekt üben, urteilen nicht als „ Chic“ zu empfinden. Frage die Lehrer eher: was brauchen sie, um mit meinem Kind erfolgreich zu arbeiten.

manchmal ertappe ich mich leider mittlerweile dabei....

Wo war ich?

Ach ja, essen ohne Essens zeiten,. Ich habe also irritiert selbst das Thema durchdacht. Tatsächlich viel zu Suchtverhalten und Grundlagen in der Kindheit gefunden und erschrocken gemerkt: es ist viel leichter mein Kind mit Essens zu zustopfen, als mich um sie zu kümmern… sie auch mal ungnädig sein zu lassen.

 Denn: auch das sollen 1 Jährige und alle älteren Kinder: sich langweilen, motzen, weinen und all das ist KEIN Auftrag an mich.  Puh: ich weiß noch sehr gut, wie ich dann im Wartezimmer Fingerspiele statt Apfelschnitze ausgepackt habe. Wie ich mehr Wert auf das Sitzen am Tisch gelegt habe. Unsere Kinder haben schon sehr schnell am Tisch gegessen- wo auch sonst Mahlzeiten gegessen- nicht alles- was auch sonst. Dabei war übrigens „ ihhh“ und „ eckelig!“ verboten, sondern es heißt bis heute „das schmeckt mir nicht!“. Das hieß auch für uns: als unsere erste Tochter 1 Jahr war wurde regelmäßig und selbst gekocht. In den letzten 15 Jahren habe ich keine Maggitüte mehr benutzt, weil ich Vorbilder hatte, die es mir leicht gemacht haben.

 Aus dem Orientieren und Irritiert sein wurde Haltung. Folgten neue Themen, die durchdacht werden wollten.

 Heute bin ich manchmal erschrocken: es scheint immer klar zu sein, was das Kind braucht.  Eltern brauchen ihr Kind nicht mehr begleiten… Folgen erdenken. Versuchen zu ertasten, was kann lebens-und gesellschaftsfähige Bahnen legen. Heute ist es so klar.

Deshalb kann Kind 1 schubsen ohne, dass jemand was sagt. Is doch egal
Deshalb rennt Kind 2 mit Schere durch den raum… is doch egal
Deshalb setzt sich Kind 3 einfach auf den Stuhl von einem Anderen …is egal
Mir war das nicht klar.
Mir ist es nicht egal, denn diese Handlungen legen Muster für das Miteinander.

Ich fühle mich dabei allein.

Unsäglich.

Verwundbar.

Bis heute denke ich darüber nach:

 Was hat es für Folgen, wenn

Ich nie strafe?

Wenn ich koche, was sie eh essen wollen?

Wenn ich Museumsbesuche, wegen Nörgelei nicht mehr durchführe?

Wenn meine Kinder schlecht über X und Y reden dürfen?
Wenn sie Film x und SerieY gucken?

Wenn sie nicht üben sich selbst zu beruhigen, zu schlafen, auszudrücken.

Wenn sie nie warten müssen?

Wenn sie Eltern beschimpfen dürfen, schlagen oder bespucken…


 Ich werde mir immer wieder Inspirationen und Irritationen suchen, will weiter langfristig denken. Immer neu…immer suchend.


Kommentare

  1. Ach ja...wurd gefragt, ob ich dnk wir machen alles richtig....


    Nein...
    Echt nicht.

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  2. Liebe Fanny, ich lese hier so gern Ihre Beiträge - da ist so viel dabei, worüber ich gern nachdenke und was ich mir auch zum Vorbild nehmen kann. Vielen, vielen Dank und alles Gute.

    Ruth

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  3. uii wirklich? bekomme eher Rückmeldungen, die kritsch sind. Im Sinne von " Immer hast du was!"

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    1. Ganz ernsthaft. Es ist ja nicht so, dass Sie von oben herab auf die Welt herunterpredigen - ich merke doch, dass Sie es sich selbst micht leicht machen und an sich selbst sehr hohe Anspüche stellen. Und Sie haben so recht, es ist so eine Aufgabe, die Kinder gut zu begleiten - mir ist das selbst nicht so gut gelungen, deshalb weiß ich, jetzt, viel später, aus den Folgen, WIE wichtig das ist und wie Recht Sie haben.

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