Nimm es dir nicht so zu Herzen-GRÜTZE!

Wenn ich mit einem Menschen zu tun habe, erfasse ich viel und muß recht viel filtern, um es NICHT zu sagen.

Da sitzen wir auf einem Empfang. Es geht um Ökologie und Politik. Und mich durchzieht es recht schnell. Die Menschen hier debattieren über Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit, trinken aber importierte Weine (weil die so hip sind) und essen Fleisch aus Südamerika-----

Niemand würde es schätzen, wenn ich meine Eindrücke, die ohne Filter gesammelt sind, auch ohne Filter Preis gebe: (vor allem, weil es ja meine Wahrnehmung und keine Wahrheit ist)

Du wirkst auf mich sehr ich bezogen, wenn du deine Kinder so viel Tv gucken lässt - nur damit du Ruhe hast.
Du wirkst auf mich sehr hart, wenn dein Sohn Leistung beim Fußball bringen muss.
Du wirkst auf mich ängstlich, weil du zulässt, dass deine Ehe fad wird und dein Partner sich keine Mühe mit den Kindern gibt.
Du wirkst auf mich verstört: so wie du Menschen siehst, hast du nur Feinde.
Du wirkst auf mich, wie eine tickende Zeitbombe voller Wut oder Ohnmacht, so wie du dich selnbt behandelst.
Du wirkst auf mich krankhaft geizig, weil deine Familie nicht Unnützes geniessen darf.
Ich spüre an dir ein Seelenschmerz, wenn du deine Kinder so überbehütest.
Ich bin verwirrt, weil du von Werten sprichst und doch nur Karriere willst
Ich spüre, dasss ihr als Familie kaum etwas vom Inneren des Anderen spürt.
Ich spüre an dir Sehnsucht nach Anerkennung, so wie du um Richtig und Falsch im Glauben ringst.
Ich spüre, dass du mich belügst: du lächelst mich an und wenn du dich umdrehst, sehe ich am Ausdruck der Anderen, wie du dein Gesicht verziehst.


Hände, Muscheln, Strand, Sand, Nagellack


ich bekomme auch Rückmeldungen- natürlich.... Besonders beschäüftigt mich der Satz
" Du bist immer so gestresst. Nimm dir doch nicht immer alles so zu Herzen..."

Dieser Satz führt dazu, dass ich von dem Sprecher einen gewaltigen Schritt zurück mache innerlich, weil ich spüre: der versteht mich nicht.
Ich nehme mir die Sachen nicht zu Herzen. Sie nehmen mich. Sie sind realität- es ist Wahrnehmung, nicht ausgesuchte Sorge.

Für mich muß der Satz anders heißen:
Lass los, was du wahrgenommen hast.








Mein Leben ist beschenkt von Verstehern. Ein echtes Highlight. Ein Genuß. Ein Vorrecht. Helfer zum Loslassen.
Eine Frau aus unserer Kirche, die mir zwischendurch mailt und die versteht, dass Treffen und Austausch oft mein Herz zu sehr füllt.
Mein Mann, der immer wieder mitsortiert, schimpft (:)) und die Begabung hat, aus meinem Wahrnehmungsbrei sehr Konstruktives zu entwickeln.
Eine Whattsapp Freundin, die so ähnlich tickt.
Mein Freund und unsere Jugendpastor, der fragt: was brauchst du?
Eine Freundin, die an mir festklebt, obwohl ich gerade bei ihr den Filter in den Rückmeldungen vergessen habe.

Ich lasse los, was ich wahrnehme.
Es ist NUR eine Wahrnehmung, kein Handlungsauftrag.
Manchmal klappt das, manchmal muß ich so hart ringen und kämpfen: unglaublich.

Deshalb schreibe ich.
Ich hoffe, dass mein Denken dich hinterfragt.
Vielleicht hilft es dir dich zu fragen: was würde jemand an mir wahrnehmen?
Wie wirkt mein Handeln?
Wo darf ich eine Meinung und Beobachtung loslassen?
Habe ich Helfer zum Loslassen?




Kommentare

  1. Ich kenne das sehr gut und kann schreiben: ich verstehe dich. Und ich kämpfe die gleichen Kämpfe.

    Viele Grüße
    Andrea

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  2. Die ganzen letzten Tage habe ich immer wieder hieran denken müssen... So Sätze wie "Nimm dir doch nicht alles zu Herzen" bekomme ich auch immer wieder zu hören. Das sagt sich so leicht, wenn man ein Typ ist, der alles einfach von sich abschütteln kann bzw. es gar nicht erst so dicht an sich rankommen lässt. Auch das Loslassen ist immer noch schwer genug. Ich finde es vor allem auch dann schwierig, wenn ich dazwischen stehe, wenn ich weiß, zwei (mir nahe stehende) Menschen kommen nicht gut miteinander aus, wenn beide ihre Sichtweise erzählen und ich beide Seiten verstehe. Diese Spannung zerreißt mich manchmal fast selbst und ich kriege zu hören: Mach dir da doch keine Gedanken, du bist doch nicht daran beteiligt, dein Verhältnis zu ihnen ist doch in Ordnung. Aber mich beschäftigt die Spannung zwischen ihnen mehr, als ich es möchte.
    Mit der Wahrnehmung ist das so eine Sache... Ich schließe da zu oft von mir selbst auf andere. Eine Freundin sagte mir beispielsweise an einem Sonntag: Wir haben schon länger nicht mehr miteinander telefoniert. Ich ruf dich diese Woche mal an. Die Woche verging, kein Anruf, zwei weitere Wochen vergingen, immer noch nichts. Meine Wahrnehmung: Sie hat mich vergessen, ich bin ihr nicht wichtig. Doch damit lag ich falsch. Inzwischen habe ich begriffen, dass das nicht stimmt, sondern dass sie einfach nur anders "tickt" als ich, aber sie ist mir trotzdem eine gute Freundin, die mich nicht hängen lassen würde und der es nicht egal ist, wie es mir geht.
    Die Fragen sind ein guter Denkanstoß!!

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