Wer bin ich?

Seit ich kennen kann holt mich diese Frage ein. Bis heute- wie unerwachsen, oder?


Diese Frage ist eine der Kernfragen für Entwicklung.
Kinder bis 4 sind in ihrem ICH sehr entspannt. Sie leben, zeigen ihren Ärger, wollen haben und wollen sein. Finden sich grpßartig und schön.

Dann erreicht das Kind die Erkenntnis, dass es anderes ist, als...
Anders von der Erzieherin gelobt wird, als der süße Tom.
Anders angelächelt wird, als die kleine Jenna.
Anders bestraft, wird als....
Zusatzinfo an Eltern: gerecht geht in diesem Fall nicht! jedes Kind braucht seine eigene Erfahrung, dass es anders ist. Da können Eltern durch ihr vorsichtigen verhalten nichts dran tun....Im Gegenteil: behüten und gleichmachen schiebt diese Erkenntnis nach hinten - und da tut sie noch viel mehr weh.
Besser: "Du bist ---" herausarbeiten. Fragen: "Wie denkst du hat Gott dich ausgedacht? Wie Tom? Wie Jenna?"

In den ersten Grundschuljahren reift die Erkenntnis: bin ich cool? ein Ansager? Eine Zuhörerin? Oft mit einer großen Trauer. Mich hat es zerfressen, als ich realisiert habe, das NIE meine Ideen in der Pause gespielt wurden, sondern immer Wiebkes.
Leider hat Wiebke dann auch noch irgendwann doofe Sprüche zu mir gemacht, so dass ich mit 9 Jahren fest`"wusste", dass ich null sportlich bin. Was bin ich denn?
Zusatzinfo an Eltern: in diese Zeit fällt das Suchen des eigenen Vereins oder Instrumentes. Flöte für alle ist passé. Eltern können ein tragfähiges Fundament bauen, indem sie ihrem Kind helfen Freundschaften zu leben und erste Dinge selbstständig erleben zu alssen. Ein Zeltlager ist dabei Pflicht aus meiner Sicht. Oder allein mit dem Rad in die Stadt. Oder erste Kochversuche. Straße fegen. Menschen anrufen.



Irgendwann bestimmen die Hormone dann die Ich Baustelle.
Der Rückzug ins Schweigen und Müde sein ist der Ausdruck, für die Hochanstrengung, die im Inneren läuft.
Freundschaften brechen oder vertiefen sich. Ich hatte nach Jahren voller Suchen immerhin eine Schulfreundin und eine Freundin in der Gemeinde. Eltern werden seltsam und nichts an dem eigenen Körper ist so, wie es sein soll. Mein ICH ist ein zerritzeltes Frühlingsbild.
Zusatzinfo an Eltern: das Kind braucht Beziehungen. Zu Erwachsenen, zu Glaubenden, zu Kumpels.Schon mit 10 vorbeugen, damit die 14 nicht so arg wird! Der Teen muss zum ICH -Entdecken ausprobieren- vor allem Sich. da helfen keine unzähligen Praktika. Jemand, der allein gestrichen hat, findet heraus ob er Handwerk mag. jemand, der eine Oma besuchen sollte, findet heraus, ob ihm das liegt..

Das nagende ICH-Entdecken nimmt manchmal seltsame Formen an. Ich brauche mehr Kontrolle über mich und mein Leben- oder mein Essen oder Schlafen. Manchmal bis meine Seele krank wird.
Ich kann mich nicht ertragen und verschwinde in fremde PC Abenteuer oder unlustige Youtube Clips.ich höre dauernd Klagen und Fehler, strenge mich an und komm zu nix. Ich höre Wohlwollendes durch einen dumpfen Schleier und deshalb glaubt das Herz auch nicht geliebt zu sein.

Zusatzinfo an die Eltern:egal wie dumpf sie es hören: täglich Gutes sagen. Täglich! Krisenthemen ruhig mal eskalieren lassen: weckt etwas:)
Damit die die Familienbeziehung tragfähige Basis ist, in Solozeiten und Rituale investieren.
"Was brauchst du, um dich besser kennenzulernen?" " Was denkst du, kannst du gar nicht? Was gut?"

Nach dem mutigen Kopf hochhalten erobert sich die nächste Fragerunde ihren Raum. Oft nach dem Studium/ Ausbildung. Will ich das so? Mich hat es umgehauen;: alle waren so zentriert und fröhlich mit ihrem Lebensentwurf und ich??? Wer bin ICH?

Die Frage nach dem ICH wird hier begleitet von der Aussicht für die nächsten Jahre. Was brauche ich, um zu reifen? Wer hilft mir dabei? Welche Fragen und Gedanken muß ich endlich mal bearbeiten?

Ich bin gerade in der Pubertät. Als ich das zu meinem Sohn meinte, antwortete er mir : " Mama, das heißt bei Dir jetzt Wechseljahre!"
Die Fragen sind genauso und die verschobene Wahrnehmung....Oh weia.
nach jeder Gruppenstunde sitze ich zermürbt auf dem Sofa: "Was mache ich da? Kann ich das? Sollte ich es nicht jemanden anderen machen lassen?"
Ich bin gespannt, was mein ICH noch so lernen kann, was Gott sich so ausdenkt für mich:)





Kommentare

  1. Danke, das ist echt eine schöne und hilfreiche Zusammenfassung.
    Und nach meinen Erfahrungen mit einer schwierigen Pubertät meines ersten Kindes (auch deshalb so schwierig, weil ICH die im Text genannten Anstöße aus verschiedenen Gründen eben nicht hingekriegt habe) werde ich mir diesen Text im Hinterkopf behalten für die Entwicklung mines zweiten, viel jüngeren Kindes.

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