Teen Mummy

Ein Tag als Mutter von Teens
 
Seit meinem Buch kommen immer mal Fragen nach einem Buch für Eltern von Teens.
Da muss ich passen- hänge ich selbst gerade drin.
 
Wenn ich diese Zeilen veröffentliche, sagen sie wenig über meine Kinder aus, unsere Teens, die mit uns leben. Ich möchte beschrieben, wie es mir geht.
 
 
2005 bin ich von meinem freien Nachmittag nach Hause gekommen und habe neben mindestens 3-10 bunten Melaminbechern in der Küche noch Kekskrümel und eine leere Obstschale als Hinweise auf einen spielreichen Nachmittag mit Freunden entdecken können.
Das Abendessen um 18.30 Uhr war zappelig. Immer wieder versuche ich die Kinder zu bewegen zu sitzen, zu essen und dabei das Besteck zu nutzen.  Jeder darf vom Tag erzählen, seine neuen Ratscher zeigen oder mich von der lieben Nachbarin grüßen. Es fällt ein volles Glas um- irgendwann habe ich verstanden, dass ich aufwischen kann und es nun von Kind 1-3 erlernt werden kann. Ich frage ab, ob wir am Tisch lesen oder heute Fernsehtag ist.
Nach dem Lesen oder 30 Min TV Zeit gibt es Zeit im Bad-oft mit Musik. Auch oft mit Drama, weil Zähne putzen immer irgendwie Aua ist- oder alle müde...oder jemand die falsche Luft wegatmet. Explosionen und ich bin die Erwachsene im Setting.
Dann alle drei in die Zimmer_ erst Baby3 kuscheln , knutschen und segnen, singen. Dann bei Baby 1 reinschauen und an das lesen erinnern, mit Baby2 lesen und massieren (kuscheln geht nicht)segnen und singen und schließlich bei Baby1 noch mal hängen im Hochbett und Weltschmerz lösen. Fragen ob die Schultasche gepackt ist und nicht kontrollieren. Auch segnen und singen.
Ich brauche für alle mittlerweile nur noch 45 Minuten. Alle zufrieden- spätestens um 20 Uhr- egal wie viele Tränen geflossen sind. Alle sind zufrieden und schlafen.
 
 
2017
Wenn ich nach hause komme,( vom Amt oder ner Sitzung) stehen manchmal vor der Playstation leere Wasserfalschen und zeigen mir, dass Teens 3 seine Freunde da hatte. Das ist selten. Die bunten Becher von früher sind nur noch selten im Einsatz. Viel zu voll sind die Nachmittage durch Schule und Nebenjobs. Ich vermisse das Spielen draussen von 14.00-19.00Uhr- zusammen sein, bei vielen kleinen Wutausbrüchen - aber zusammen. Heute muss ich den Wunsch etwas zusammen zu machen vorher in die Whattsappgruppe einreichen...Wann haben wir verpasst uns um neue Begegnungsflächen zu bemühen?
Wenn ich versuche mit jemandem Abend zu essen, find ich kaum einen Tag oder eine Zeit- immer ist Jugendstunde, Training ( 3x die Woche) Band, Fahrschule....Hunger ist groß- das Reden miteinander wird schwerer. Weil immer irgendwer grad Hormone sortiert oder auslebt.
Manchmal drücke ich auf die Pause taste im Tv, um etwas anzusprechen. Die Teens sind ko vom Tag. Oft finde ich nicht den richtigen Ton. Ich vermisse sie so. Der Tag ist so voll und doch so leer. Manchmal starte ich nur den Satz und bekomme Gegenwind. Weil ich das Falsche möchte und will in ihren Augen.
 
Vorlesen ist nicht erst seit ein paar Jahren out und ich bleibe bei den Serien der Teens nur im Raum, um ihnen Nah zu sein.  Den Moment abzuwarten, wo sie Fragen an sich, ans Leben haben. Sie streiten oder zischen. Oft zische ich mit und bin so erschöpft darüber. Es trifft mich ganz anders, als das Ringen um Zähne putzen oder Saft wegwischen. Es trifft mich ins Mark. Es hinterfragt mich- was habe ich als Mutter investiert? Warum habe ich so Wert auf emotionale Intelligenz gelegt, wenn meine Teens wie die Kesselflicker schimpfen und auch fluchen. Warum haben wir so viele Menschen im Haus hier gehabt, wenn die Teens, doch eher für sich sind.. Schlafen wollen, zu nichts Lust haben.
 
Das Teen- Sein gibt mir fast täglich eine Ohrfeige als Mutter, denn es hinterfragt mich und meine Sichtweisen. Es kostet mich so viel. Explosionen von Gefühlen und ich bin mitten drin. Bin oft sogar „ schuld“: „ ooorrrrrr Mama!“. Ich habe nicht mehr den Überblick. Ich bin mit im Strudel.
Gleichzeitig spüre ich, wie unsere Kinder ringen: um Freundschaften, Glaubensfragen oder gegen den Schuldruck. Fette Baustellen und ich....bin raus. Ich muss aushalten raus Zusein. Ich quäle mich selbst mit dem Einmischen, denn ihre Abwehr ist so doll schlimmgesund- hammer wie doll sehr! Wenn sie nicht jetzt ihre 5 in Mathe allein managen, wie wollen sie im Leben klar kommen? Ich weiß-und es tut weh...Mir und Ihnen.


 
 

Übrigens_ aus meiner Sicht ist das erst ab 15/16 Jahren der Fall.  Das Raushalten. Wenn Eltern mir zu einem & Jährigen sagen " ich kann ihn ja nicht zwingen..." sehe ich das ganz anders.  Zwingen nicht, aber klar sein.
Bis dahin darf ich mich als Erziehende immer wieder aufrichten. Teens brauchen erziehende Eltern. Ein Nein bei echtem Blödsinn. Ein strafender Blick, bei einem Haufen Jungs im Wohnzimmer- ohne Absprache. Eine Anmeldung zum Zeltlager auch wenn es "voll bescheuert ist!"
Und die stetig wiederkehrende Frage: wie denkst du wäre es jetzt gut? Was tut dir gut?
 
Ach und weil an mich die Frage gerichtet wurde: Teen3 schläft mit 14 Jahren noch ohne Handy: es liegt jeden Abend vor seiner Tür ab 22 Uhr. Alle Teens fragen immer noch bevor sie den Fernseher anschalten oder Essen kochen oder wegmampfen.Das liebe ich an unserem Miteinander- wir sind in Kontakt: und sei es um den letzten Joghurt!.


 
Bei echtem Mist in ihrem Leben, gibt es dann auch mal Elternideen angeboten. Gebet und Segen immer...
Natürlich denken mein Mann und ich laut, manchmal auch mit...aber unser Wunsch wird Realität: sie sind selbständig. Ernten ihren Lohn fürs Üben oder nicht üben, organisieren Geld und ihre Freizeit selbst. Eigenständig und stark.
 
Ich blicke auf Familien mit Kindern zwischen 2 und 8 Jahren... wie ich 2005. Und ahne manchmal, dass jede nicht gelegte Grundlage aus „Faulheit“ oder fehlendem Mut in den nächsten Jahren bitter fehlen wird.
" Nein"- ich möchte das nicht!
Essen am Tisch.
Zuhören und Reden üben.
Fehler machen und selbst dafür einsetzen sie wieder gut zu machen.
Kompromisse finden üben
Rhythmen erleben und geniessen
Kinder vor Gott bringen, täglich- Worte finden für Liebe Gottes
Streit aushalten, zulassen, klar bleiben
Schlafen, sich selbst beruhigen
Spielen und Vertiefen
Sich einfügen und Zuhören
 
 
Ich bin so froh für unsere Wegstrecke. Sie haben Grundlagen, auf die sie zurückgreifen können.
Ich verliere in dieser Phase schnell aus dem Blick, was wir zusammen hatten und haben. Sie reiben sich um ihre Identität zu polieren. Ich weiß es doch eigentlich.
 
Ich will neu stolz sein, auf Nähe- wenn sie einfach mal da ist. Ohne, dass einer von uns ausflippt.
 
Irgendwann werde ich verstehen, was meine Teens so aufgebracht hat, wenn ich frage: „Oder wollen wir ein Buch zusammen lesen?“J
 

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